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Sozialpraktikum in Frankreich (Paris) – Schüler der Oberstufe berichten!

Wie kann ich meinen Platz in der Welt finden und die Zukunft aktiv mitgestalten?

In die Antworten auf solche bedeutsamen Fragen will der Jugendliche tatkräftig hineinwachsen – es drängt ihn zur selbständigen Auseinandersetzung mit der Welt. Die Schülerinnen und Schüler auf diesem Weg zu fördern und zu begleiten ist das Anliegen des gesamten Oberstufenunterrichts. So gehören die Ausbildung einer tragfähigen Urteilskraft und deren Stärkung zu den zentralen pädagogischen Aufgaben. Entsprechend erweitern regelmäßige außerschulische Praktika das Unterrichtsangebot. Diese ermöglichen es den jungen Menschen, sich in unterschiedliche Zusammenhänge zu stellen, im praktischen Tun selbst zu erfahren und mit der Welt auseinanderzusetzen.

In der 11. Klasse entwickeln die Schüler im Besonderen ihre seelischen Kräfte. Weltempfinden und tiefe Einfühlung in den Mitmenschen werden nun möglich. Das Sozialpraktikum (seelische Kompetenz) arbeitet mit diesen frei werdenden Qualitäten. Über einige Wochen übernehmen die Jugendlichen Aufgaben in einer sozialen Einrichtung und begleiten zum Beispiel Menschen mit Behinderungen in deren Lebensalltag. Dabei lassen sich die Schüler auf völlig neue Situationen ein, in denen neben einem wachen Verantwortungsbewusstsein auch die Fähigkeit, die eigenen Interessen zugunsten anderer zurückzustellen, ausgebildet wird. In diesem Praktikum leisten die Schüler nicht nur einen sozialen Beitrag innerhalb unserer Gesellschaft, sondern erfahren auch, wie bedeutsam sich diese Hinwendung im Leben anderer Menschen auswirkt. Sie erkennen sich als Teil eines sozialen Ganzen und entwickeln so zunehmend mehr Bewusstsein für soziale Prozesse.

Quelle: Auszug Homepage Bund der Freien Waldorfschulen von Constanze Hafner

Hier nun die Schülerberichte:

Praktikum am Rande von Paris

Als ich letzen Sommer unter dem Eiffelturm stand und ich so viele verschiedene Menschen aus der ganzen Welt gesehen habe, war meine Begeisterung für diese Stadt geweckt, und ich nahm mir vor hier noch mal hinzukommen, und zwar für einen längeren Zeitraum.

Da in der 11. Klasse jeder ein vierwöchiges Sozialpraktikum  an unserer Schule macht und wir dafür auch gerne ins Ausland gehen können, ergriff ich die Gelegenheit und bewarb mich in einem Waldorfkindergarten am Rande von Paris.

Als ich am ersten Abend bei meiner Gastfamilie ankam, verstand ich so gut wie nichts. Doch zu den Kindern im Kindergarten war die Hemmschwelle nicht so hoch und ich versuchte, möglichst viel mit ihnen zu sprechen. So merkte ich bereits nach einer Woche, dass ich immer mehr auf Französisch verstand und mich ausdrücken konnte.

Die Gastfamilie, bei der ich wohnen durfte, hatte zwei lustige und aufgeschlossene Jungs, die 10 und 12 Jahre alt waren.  Wir verstanden uns prächtig. Ich  holte sie immer von der Schule ab, übte mit ihnen ihre Instrumente, und wir spielten viele Spiele. Abends  half ich meistens meiner Gastmutter  ein gutes französisches Essen zu kochen.

Das Haus der Familie war perfekt gelegen: 10 Minuten zur Schule, 300 Meter bis zum Wald und 40 Minuten mit der RER bis ins Zentrum  von Paris.

Die Kindergärtnerin mit ihren fünf Kindern lud mich einige Male zu einem Spielabend zu ihnen nach Hause ein. So lernte ich ein paar Jugendliche in meinem Alter kennen und noch eine andere französische Familie.

An den Wochenenden fuhr ich dann nach Paris und schaute mir die Stadt und viele Sehenswürdigkeiten an. Ich schlenderte an der Seine entlang, besuchte Notre Dame und bestieg natürlich den Eiffelturm.

Als krönenden Abschluss nahm mich meine Gastfamilie für  eine Woche mit auf eine Reise in den Süden von Frankreich. Allein schon die Fahrt war klasse, denn die Landschaft änderte sich ständig und auf diese Weise lernte ich noch andere Regionen von Frankreich kennen.

Auch wenn sich mein Französisch  in diesen vier Wochen nur etwas verbessert hat, wurde doch meine Freude an ihr durch diesen Aufenthalt aufs Neue geweckt und die Sprache wurde mir viel vertrauter.

Celina Bittger, Schülerin der 11. Klasse

Praktikum  im Kindergarten des „ècole Perceval“

„Du machst ein Praktikum im Ausland“ sagte meine Mutter zu mir und was zuerst wie ein Anfall von  Überpädagogik klang,  wurde ca. ein halbes Jahr später zu einem zutiefst bewegendem  und eindrucksreichem Erlebnis.

3 Wochen Paris, das ist so schön wie es klingt. Aber auch völlig anders. Das leben in einer Gastfamilie öffnet völlig neue Türen und Räume in der Touristenstadt.

Man bekommt Ausflugstipps, Hilfe wo man sie benötigt, erfreut sich einer wunderbar herzlichen Gastfreundschaft und mit etwas Glück kann die Gastmutter auch noch kochen.

Ganz nebenbei und fast zufällig bemerkt man, dass die Sprachbarriere nicht so hoch  wie angenommen ist und man unheimlich viel lernt.

Das Praktikum  im Kindergarten des „ècole Perceval“ selber war ein Erlebnis an Geborgenheit und dem Gefühl in einer harmonischen Oase in Mitten des Chaoses zu sein.

Die Kinder zeigten keinerlei Scheu und wurden nicht müde dich in alles einzubeziehen und dir, wenn nötig, die Dinge die sie wollten auch fünfmal zu erklären bis man sie dann verstanden hat.

Alles in allem war die Reise nach Paris ein sehr lehrreiches und eindrückliches Erlebnis, welches ich sofort und jeder Zeit wiederhohlen würde und jedem Französisch interessiertem  wärmstens empfehle.

Yannick Linder, Schüler der 11. Klasse